Beruf & Finanzen

Warum unser Beruf bestimmt, wie alt wir werden

Wie viele Jahre einem im Leben vergönnt sind, weiß kein Mensch. Wann und wie unser Leben endet, begreifen wir häufig als Frage des Schicksals. Dennoch gibt es ganz klare Einflussfaktoren auf unsere Lebenserwartung – manche sind offensichtlich, andere weniger. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, inwiefern Ihr Beruf Ihre Lebenserwartung bestimmt?*  

Wir werden älter – aber nicht alle

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland steigt: Ein 65-jähriger Mann hat beispielsweise im Durchschnitt rund 16 weitere Jahre vor sich, mit anhaltendem Trend. Die Betonung liegt jedoch auf durchschnittlich. Nicht jeder im Rentenalter knackt die 80er-Marke. So lebt ein Mann mit höherem Arbeitseinkommen und höheren Rentenbezügen um bis zu fünf Jahre länger als ein Mann mit geringerem Einkommen. Das bestätigt zumindest eine wissenschaftliche Studie des Berliner Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels. Ältere Frauen wurden von der Studie im Übrigen bewusst ausgeschlossen. Gerade in den alten Bundesländern waren Frauen kaum langjährig berufstätig, sodass sich kein aussagekräftiger Zusammenhang zwischen Berufsgruppe und Sterblichkeit von Frauen herstellen lässt.

Mit Wohlstand ins hohe Alter

Dass sich Einkommen und Vermögen positiv auf die durchschnittliche Lebenserwartung auswirken, belegt auch eine weitere aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts in Berlin. Hier wurden regionale Unterschiede bezüglich der Lebenserwartung im Land erforscht - je nach Geschlecht. Unter den Spitzenreitern der Survival-Tabelle befindet sich Starnberg. Der oberbayerische Kurort, 25 Kilometer südlich von München, verspricht den männlichen Anwohnern eine Lebenserwartung von bis zu 81,3 Jahre. Das sind im Vergleich 8 Jahre mehr als die Anwohner des südwestpfälzischen Pirmasens erwarten können – dem regionalen Schlusslicht der Lebenserwartung im Land. Noch besser trifft es die Starnbergerinnen mit 86 Lebensjahren im Durchschnitt. Starnberg hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen bundesweit; die Arbeitslosigkeit ist sehr gering.

Bessere Ausbildung, gesünderer Lebensstil

Wenn Wohlstand und Gehalt eine große Rolle spielen, dann legen unser Bildungsabschluss und unsere Ausbildung hier natürlich einen entscheidenden Grundstein. Herr Rembrandt Scholz, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Demographische Forschung in Rostock erklärt: „Nicht selten zeichnet sich die Lebenserwartung schon in der Ausbildung ab. Je besser die Ausbildung, desto besser das spätere Einkommen. Ich kann mir eine bessere Wohnung in einer besseren Gegend und bessere Lebensmittel leisten. Sprich: Ich lebe einfach gesünder.“ Das Resultat davon sind weniger Krankheiten, weniger Gewichtsprobleme und weniger Drogenkonsum unter Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen - und eine steigende Lebenserwartung.  

Geistige Vitalität hält lebendig

Älter machen aber nicht nur eine gute Lebensführung und ein gutes Gehalt, sondern auch eine ausgezeichnete Bildung bzw. geistige Aktivität im Beruf. Einer österreichischen Studie zufolge haben männliche Mitglieder der Akademie der Wissenschaften – der akademischen Elite schlechthin – eine deutlich höhere Lebenserwartung als der Normalbürger. Eine österreichische Studie belegt, dass ein Professor mit 60 Jahren durchschnittlich 6 Jahre älter wird als ein Österreicher mit durchschnittlichem Bildungsgrad.

Berufe mit Gefahrenpotenzial

Akademiker (hier meinen wir stets beide Geschlechter) und Wissenschaftler sind geistig aktiv – körperliche Arbeit und Belastung gehören in der Regel nicht zu ihrem Beruf. Hier treten beispielsweise eher Sportler, Maler, Handwerker, Reinigungskräfte oder Bergleute in Aktion. Diese sind dabei zum Teil extremen körperlichen Arbeitsbelastungen ausgesetzt. Richtig gefährlich wird es dann unter anderem für Sprengmeister, Dachdecker oder Baustellenarbeiter – alles Berufe mit einer beträchtlichen Unfall- und Verletzungsgefahr und somit auch einem höheren Sterberisiko. Sie können in eine Explosion geraten, vom Dach fallen oder den Halt auf dem Gerüst verlieren. Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderungsrente liegen dann nur einen falschen Schritt entfernt. Mit so einem Job lebt es sich grundsätzlich gefährlicher als am PC, in der Redaktion oder dem Hörsaal. Wenn dann noch ein ungesunder Lebensstil hinzukommt, leidet die Gesundheit umso mehr. Für Menschen mit sogenannten Risikoberufen bietet sich im Übrigen eine Grundfähigkeitenversicherung zur Absicherung des Lebensunterhaltes an. Mehr zu diesem Thema hier.

Auch Männer zu Hause sind gefährdet

Den ganzen Tag daheim zu sein, klingt nicht unbedingt nach „Leben am Limit“. Statistiken aber sagen etwas anderes. Im Vergleich zum berufstätigen Mann hat der Hausmann eine merklich geringere Lebenserwartung. Das liegt nicht etwa daran, dass sich ein Mann im Haushalt ungeschickter anstellt und öfter den Herd brennen lässt… Vielmehr sind hier die Gründe für das Dasein als Hausmann ausschlaggebend. Nicht selten sind Hausmänner krank oder arbeitslos und dadurch insgesamt anfälliger für einen ungesunden Lebensstil. Häufig leiden sie unter ihrer Situation und empfinden sie als psychische Belastung. Bei Frauen, die zu Hause bleiben ist im Übrigen das Gegenteil der Fall: In der Regel muss frau nicht zu Hause bleiben, sie kann es. Für das Einkommen sorgt dann meist der Mann. Ist dieser Lebensentwurf möglich, weist das auf eine komfortable ökonomische Situation der Familie hin. Hier gibt es also ganz klar einen Unterschied zwischen den Geschlechtern

Sicherheit im Job

Last but not least, wirkt sich auch die Sicherheit, die wir in unserem Beruf erfahren, positiv auf unsere Gesundheit aus. Pensionierte Beamte sind in Bezug auf Lebenserwartung dementsprechend die Spitzenreiter. Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: pensionierte Beamte des höheren Dienstes werden im Schnitt zwei Jahre älter als der „Otto-Normal-Rentner“. Herzlichen Glückwunsch!:)

Love what you do

Was lernen wir daraus? Es ist nicht egal, was für einen Job wir ausüben. Unsere tagtägliche Arbeit nimmt viel Raum und Zeit ein und beeinflusst uns mehr als uns vielleicht lieb ist. Gehalt, Sicherheit im Job, psychische und körperliche Belastungen bei der Arbeit – all das prägt unsere Lebensweise, Entwicklung, Gesundheit und sogar Lebenserwartung. Da lohnt es sich, immer mal wieder zu überprüfen, wie genau man seine Zeit investiert… In diesem Sinne wünschen wir Ihnen (hoffentlich) viel Spaß bei der Arbeit!:)

*In welchem Umfang die Corona-Pandemie spezielle Berufsgruppen im Besonderen belastet, konnte in diesem Blog-Beitrag noch nicht mit einbezogen werden. 

Warum Berufsunfähigkeit wirklich Jeden treffen kann...

...erfahren Sie im Basler Blog

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