Beruf & Finanzen

Warum unser Beruf bestimmt, wie alt wir werden

20.Juni 2018. Wie viele Jahre uns im Leben vergönnt sind, weiß niemand. Wann und wie unser Leben endet, begreifen wir häufig als Frage des Schicksals. Dennoch gibt es ganz klare Einflussfaktoren auf unsere Lebenserwartung – manche sind offensichtlich, andere weniger. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, inwiefern Ihr Beruf Ihre Lebenserwartung bestimmt?

Wir werden älter – aber nicht alle

Deutschland wird immer älter: 65-jährige Männer haben beispielsweise im Durchschnitt rund 16 weitere Jahre vor sich, Tendenz steigend. Die Betonung liegt jedoch auf durchschnittlich. Nicht jeder knackt die 80er-Marke. So leben Männer mit höherem Arbeitseinkommen und höheren Rentenbezügen um bis zu fünf Jahre länger als Männer mit geringerem Einkommen. Das bestätigt zumindest eine wissenschaftliche Studie des Berliner Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels. Ältere Frauen wurden von der Studie im Übrigen bewusst ausgeschlossen. Gerade in den alten Bundesländern waren sie kaum langjährig berufstätig, sodass sich kein aussagekräftiger Zusammenhang zwischen Lebensverdienst und Sterblichkeit herstellen lässt.

Mit Wohlstand ins hohe Alter

Dass sich Einkommen und Vermögen positiv auf die Lebensdauer auswirken, belegt auch eine weitere aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts in Berlin. Hier wurden regionale Unterschiede bezüglich der Lebenserwartung erforscht. Unter den Spitzenreitern der Survival-Tabelle befindet sich Starnberg. Der oberbayerische Kurort, 25 Kilometer südlich von München, verspricht den männlichen Anwohnern eine Lebenserwartung von bis zu 81,3 Jahre. Das sind 8 Jahre mehr als die Anwohner des südwestpfälzischen Pirmasens erwarten können – dem regionalen Schlusslicht der Lebenserwartung. Noch besser trifft es die Starnbergerinnen mit durchschnittlich 86 Jahren Lebenszeit. Starnberg hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen bundesweit; die Arbeitslosigkeit geht gegen null.

Bessere Ausbildung, gesünderer Lebensstil

Wenn Wohlstand und Einkommen eine große Rolle spielen, dann legen unser Bildungsabschluss und unsere Ausbildung hier natürlich einen entscheidenden Grundstein. Herr Rembrandt Scholz, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Demographische Forschung in Rostock erklärt: „Nicht selten zeichnet sich die Lebenserwartung schon in der Ausbildung ab. Je besser die Ausbildung, desto besser das spätere Einkommen. Ich kann mir eine bessere Wohnung in einer besseren Gegend und bessere Lebensmittel leisten. Sprich: Ich lebe einfach gesünder.“ Das Resultat davon sind weniger Krankheiten, weniger Gewichtsprobleme und weniger Drogenkonsum unter Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen.

Geistige Vitalität hält lebendig

Älter machen aber nicht nur eine gute Lebensführung und ein gutes Gehalt, sondern auch eine ausgezeichnete Bildung bzw. geistige Aktivität im Beruf. Einer österreichischen Studie zufolge haben männliche Mitglieder der Akademie der Wissenschaften – der akademischen Elite schlechthin – eine deutlich höhere Lebenserwartung als der Normalbürger. Eine österreichische Studie belegt, dass ein Professor, der 60 Jahre alt ist, durchschnittlich 6 Jahre älter wird als ein Österreicher mit durchschnittlichem Bildungsgrad.

Berufe mit Gefahrenpotenzial

Akademiker und Wissenschaftler sind geistig aktiv – körperliche Arbeit und Belastung gehören in der Regel nicht zu ihrem Berufsbild. Hier treten beispielsweise eher Sportler, Maler, Handwerker, Reinigungskräfte oder Bergleute in Aktion. Diese sind dabei zum Teil extremen körperlichen Belastungen bei der Arbeit ausgesetzt. Richtig gefährlich wird es dann unter anderem für Sprengmeister, Dachdecker oder Baustellenarbeiter – alles Berufe mit einer beträchtlichen Unfall- und Verletzungsgefahr. Sie können in eine Explosion geraten, vom Dach fallen oder den Halt auf dem Gerüst verlieren. Berufsunfähigkeit und Erwerbsminderungsrente sind dann nur einen falschen Schritt entfernt. Mit so einem Job lebt es sich grundsätzlich gefährlicher als am PC, in der Redaktion oder dem Hörsaal. Wenn dann noch ein ungesunder Lebensstil hinzukommt, leidet die Gesundheit umso mehr.

Auch Hausmänner leben gefährlich

Den ganzen Tag daheim zu sein, klingt nicht unbedingt nach „Leben am Limit“. Statistiken aber sagen etwas anderes. Im Vergleich zum berufstätigen Mann hat der Hausmann eine merklich kürzere Lebenserwartung. Das liegt nicht etwa daran, dass sich Männer im Haushalt ungeschickter anstellen und öfter den Herd brennen lassen… Vielmehr sind hier die Gründe für ihr Dasein als Hausmann ausschlaggebend – nicht selten sind sie krank oder arbeitslos und dadurch insgesamt anfälliger für einen ungesunden Lebensstil. Häufig leiden Sie unter ihrer Situation und empfinden sie als psychische Belastung. Bei Frauen, die zu Hause bleiben ist im Übrigen das Gegenteil der Fall: In der Regel muss sie nicht zu Hause bleiben, sie kann es. Den Lebensunterhalt verdient der Partner. Ist dieser Lebensentwurf möglich, weist das auf eine komfortable finanzielle Situation der Familie hin.

Sicherheit im Job

Last but not least, wirkt sich auch die Sicherheit, die wir in unserem Beruf erfahren, positiv auf unsere Gesundheit aus. Pensionierte Beamte sind in Bezug auf Lebenserwartung dementsprechend die Spitzenreiter. Die Forschungsergebnisse sind eindeutig: pensionierte Beamte des höheren Dienstes werden im Schnitt zwei Jahre älter als der „Otto-Normal-Rentner“. Herzlichen Glückwunsch!:)

Was lernen wir daraus? Es ist nicht egal, was für einen Job wir ausüben. Unsere tagtägliche Arbeit nimmt viel Raum und Zeit in unserem Leben ein und beeinflusst unser Leben mehr als uns vielleicht lieb ist. Einkommen, Sicherheit im Job, psychische und körperliche Belastungen bei der Arbeit – all das prägt unsere Lebensweise, Gesundheit und sogar Lebenserwartung. Da lohnt es sich, immer mal wieder zu überprüfen, wie genau man seine Lebenszeit investiert… In diesem Sinne wünschen wir Ihnen (hoffentlich) viel Spaß bei der Arbeit!:)

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