Familie & Gesundheit

Social Media macht depressiv. So schützt man sich und andere

29. Oktober 2020. Soziale Netzwerke sind mit dem Alltag der meisten von uns schon völlig verflochten. Ihre Inhalte begleiten uns bei unseren täglichen Routinen und in unseren Gedanken. Sie bringen durchaus viel Gutes, informieren und erheitern uns. Aber sie sind auch wahrhaftig mit Vorsicht zu genießen. Studien belegen einen Zusammenhang zwischen Social Media und Depressionen und eine Zunahme von psychischen Problemen bei Jugendlichen. Warum das so ist und wie man sich selbst und anderen zu einem gesunden Umgang mit Social Media verhelfen kann – dazu mehr, hier im Basler Blog.

Zeitvernichtende Algorithmen

Soziale Netzwerke leben davon, dass Menschen Inhalte konsumieren und selbst produzieren. Sie sind darauf ausgerichtet unsere Interessen und Verhaltensweisen so zu erfassen, dass sie uns stets genau die Inhalte vors Auge bringen, die uns anziehen, die uns am Handy halten, uns zum Klicken verleiten. Je mehr man online ist, umso mehr gibt man allein durch die passive Nutzung einer Plattform von sich preis, umso größer die Angriffsfläche, die wir bieten. Die Suchtgefahr ist hoch.

Und das Resultat? Die Nutzung von Social Media kostet uns immer mehr Lebenszeit. Meist freie Zeit, die wir eigentlich damit verbringen könnten, echte Kontakte zu wichtigen Menschen zu pflegen. Zeit, die rückblickend einfach verpufft ist. Wer jeden Tag mehrere Stunden mit sozialen Medien verbringt, vernachlässigt soziale Kontakte, erlebt weniger, bewegt sich weniger und ist nachweislich eher depressiv.

 

Unsägliche Vergleiche

Es ist jedoch nicht nur die Menge an Social Media Zeit, die sich negativ auf das Leben und die eigene Verfassung auswirken kann. Es kommt auch sehr auf die Art und Weise an, wie man die Netzwerke nutzt, beziehungsweise damit auch, welche Netzwerke man nutzt. Hier gerät insbesondere Instagram immer wieder in Verruf. Das Leben präsentiert sich bei Instagram gerne von seiner vorzeigbaren Seite. Malerische Urlaube, stolze Besitztümer, begehrte Erlebnisse und natürlich an erster Stelle der perfekte Look vor der perfekten Kulisse. Instagram ist sehr geprägt von den Inhalten all seiner Influencer aus den Bereichen Beauty, Sport, Ernährung und Mode. Die Postings der Influencer, die Fotos, das Styling sind meist hochprofessionell gemacht, sollen aber spontan und authentisch rüberkommen. Gerade junge Menschen können das oft nicht differenzieren. Sie vergleichen deren "Schnappschüsse", deren Alltag und deren Aussehen mit dem eigenen und schneiden dabei ständig (vermeintlich) schlechter ab. Diese permanenten Aufwärtsvergleiche können das Selbstwertgefühl negativ beeinflussen und auf Dauer für depressive Verstimmungen sorgen.

Filter dich schön

Der doch recht oberflächliche Fokus auf das Äußere wird weiter unterstützt durch die Vielzahl an Filtern, die Instagram bietet, um das beste aus der eigenen Erscheinung herauszupixeln. Man muss dazu sagen, dass mittlerweile eigentlich jede Social Media Plattform solche Filter anbietet und selbst die eigene Handykamera häufig mit Möglichkeiten ausgestattet ist, das Gesicht zu schmälern, brauner zu machen, etc. Bei den unzähligen Portrait und Ganzkörperfotos auf Instagram werden sie aber besonders massiv zur Selbstoptimierung eingesetzt. Insbesondere jungen Menschen wird dadurch ein Selbstbild vermittelt, das per se ungenügend ist, das stets noch einen Tick besser aussehen könnte mit nur einem kleinen Klick. Das angekratzte Selbstwertgefühl möchte dann wieder belohnt werden mit ein paar Likes und positiven Kommentaren. Unter Menschen entspräche diese Art von Interaktion aus Herabsetzung und Wertschätzung oder Belohnung einer toxischen Beziehung - ebenso suchtgefährlich.

 

Erwiesene Folgen

Unter bestimmten Umständen birgt Social Media also nicht nur Suchtpotenzial, sondern dämmt auch echte Kontakte, Erlebnisse und Bewegung ein und schwächt potentiell das Selbstwertgefühl. Groß angelegte Studien belegen ein erhöhtes Aufkommen von depressiven Verstimmungen, Gefühle von Wertlosigkeit und sogar Suizidgedanken bei jungen Menschen, die soziale Netzwerke entsprechend nutzen. Auch Schlafstörungen, verzerrte Körperwahrnehmung und Gefühle von Einsamkeit wurden beobachtet. Gefährdet sind hier sicher insbesondere junge Menschen, letztlich kann aber jeder in die Social Media Falle tappen. Wer das Handy nicht mehr weglegen kann, wer versucht, mal eine Pause einzulegen und es nicht schafft, sollte seinen Social Media Konsum mal kritisch beobachten. Umso mehr wenn man nach der ganzen verdaddelten Zeit am Handy sich eigentlich eher schlecht und unglücklich fühlt. 

Social Media auf gesunde Weise nutzen

Soziale Netzwerke sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Auf gewisse Weise sind sie aber auch noch neu für uns und wir müssen den Umgang mit ihnen hinterfragen und bewusst gestalten. Bei uns selbst und auch bei den Menschen, die uns wichtig sind, sei es der/die Partner*in oder die eigenen Kinder. Als erster Schritt kann mal eine Handy-Pause eingelegt werden. Dadurch wird schnell deutlich, wie sehr wir das Handy brauchen oder eben nicht. Es ist außerdem ratsam, mal zu hinterfragen: Wem folge ich und warum? Wie fühle ich mich, wenn ich diese oder jene Inhalte angeschaut habe? Alles, was einem nichts bringt und eher schlechte Gefühle hinterlässt, sollte entfernt werden.

Ein wichtiger Faktor ist auch die Menge an Social Media Zeit. Bei dieser Analyse helfen einem die Apps sogar in der Regel. In den Einstellungen kann man sich die aktuelle durchschnittliche Nutzungsdauer anzeigen lassen und auch eine gewünschte Maximaldauer einstellen. Und zu guter Letzt... Sich rarmachen: Die ständigen Benachrichtigungen der einzelnen Apps unterbrechen viel zu oft das echte eigentliche Geschehen. Unversehens ziehen sie einen wieder in den Zeitvernichtungsstrudel. Daher einfach mal genau prüfen und auswählen, welche Apps einen über was benachrichtigen dürfen.

Wer unter ernsthaften psychischen Probleme leidet, sollte sich natürlich professionelle Hilfe suchen (für sich oder für Angehörige). Psychische Probleme wie Depressionen oder Burn-Out können jeden treffen. Sie sind mittlerweile Hauptursache für Berufsunfähigkeit, die dann auch noch die finanzielle Lebensgrundlage gefährden kann. Der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung gehört daher zu den wichtigsten Absicherungen, die jeder haben sollte. Mehr zu diesem Thema im Versicherungstipp Psychische Erkrankungen und Berufsunfähigkeit.

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