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Regionalklassen für die Kfz-Versicherung – einfach erklärt

Jährlich veröffentlicht der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) die Statistik zu den Verkehrsunfall- und Schadensfällen, auf deren Basis rund 400 Bezirke in der Bundesrepublik in verschiedene Regionalklassen eingestuft werden. Diese Einstufungen beeinflussen auch die jeweiligen Kfz-Versicherungstarife.

Wer in einer ruralen Gegend wohnt, zahlt tendenziell weniger für seine Kfz-Versicherung.

Wussten Sie, dass Mainzer weniger für Kfz-Versicherungsbeiträge zahlt als jemand, der in Wiesbaden wohnt? Die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz wird nämlich von der GDV in eine niedrigere Regionalklasse eingestuft: Klasse 8 für Kfz-Haftpflichtversicherung und jeweils in die Klasse 2 für Voll- und Teilkasko. Rechts des Rheins dagegen ist die Regionalklasse für Haftpflicht auf 12 und für Voll- und Teilkasko auf 5 festgelegt worden. Und je niedriger die Regionalklasse, desto günstiger sind auch die Versicherungstarife. Doch wonach genau richtet sich diese Einstufung?

Müssen sich Versicherungsunternehmen nach der Regionalklasse richten?

Einmal im Jahr wertet der GDV die offizielle Statistik zu Verkehrsunfällen und Schäden an Kraftfahrzeugen aus. Insgesamt 413 Zulassungsbezirke werden daraufhin in Regionalklassen eingestuft. Diese unterscheidet der Verband in zwölf Regionalklassen für Haftpflicht, neun für Vollkasko und 16 für Teilkasko. Wie hoch oder niedrig die Bezirke jeweils eingestuft werden, richtet sich nach dem Indexwert für die Schadenbilanz der Kfz-Zulassungsbezirke. Als Vergleich dazu dient der Wert 100, der den Bundesdurchschnitt aufzeigt. Liegt der Wert des jeweiligen Bezirks über 100, ist die Schadenbilanz schlechter als der Schnitt. Anhand dieser Indexwerte erfolgt die Einteilung in Regionalklassen für die einzelnen Zulassungsbezirke. Dabei spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

  • Die Häufigkeit von Wildunfällen, Sturm- und Hagelschäden aber auch von Kollisionen im jeweiligen Bezirk wirkt sich auf die Regionalklassen für Voll- und Teilkasko aus.
  • Bei der Haftpflichtversicherung hingegen ist die Fahrweise der Nutzer ausschlaggebend.
  • Auch Diebstähle und Vandalismus haben Einfluss auf den Index des jeweiligen Zulassungsbezirks.

Die Regionalklassen richten sich zwar nach dem Index des GDV, die Einteilung selbst ist jedoch unverbindlich für Versicherungsunternehmen.

Die Regionalklasse ist nicht der einzige Faktor, der die Tarife beeinflusst

Die Regionalklassen dienen den meisten Versicherern dennoch als wichtiger Richtwert, nach dem die Tarife entsprechend angepasst werden. Ausschlaggebend sind aber auch andere Faktoren, zum Beispiel wie lange der Fahrzeughalter bereits unfallfrei geblieben ist und wie viele Kilometer im Jahr tatsächlich gefahren werden. Auch die Typklasse des Fahrzeugs spielt beim Tarif eine Rolle. Sie spiegelt die Schaden- und Unfallbilanz einzelner Automodelle in Deutschland wider. Mehr Infos darüber gibt es unter anderem auf der Service-Seite des GDV. Dort können Sie auch das Typklassenverzeichnis einsehen.

In ländlichen Regionen sind die Tarife meistens günstiger als in Städten

Bezirke mit Großstädten werden meistens in eine höhere Regionalklasse eingestuft als jene, die sich in eher ländlichen Gebieten befinden. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Weil das Verkehrsaufkommen und die Anzahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge in Städten höher ist als in weniger dicht besiedelten Gegenden, besteht im Vergleich zu letzteren auch eine höhere Unfallgefahr. Zudem ist die Diebstahlhäufigkeit in urbanen Räumen weitaus höher, was sich wiederum auf die Einstufung für die Kaskoversicherung auswirkt. Welchen Tarif der Fahrzeughalter zahlt, hängt übrigens vom Wohnsitz ab: Wer zum Beispiel in Wiesbaden wohnt, aber berufsbedingt täglich nach Mainz pendelt, zahlt für seine Kfz-Versicherung einen Tarif, der auf Grundlage der Regionalklasse 12 für Wiesbaden berechnet wird.

Die Regionalklasse kann sich jedes Jahr ändern

Da mit der Auswertung der GDV-Statistik auch die Regionalklassen hoch- oder runtergestuft werden können, wirkt sich dies in der Regel auch auf die Neuberechnung der Kfz-Versicherungstarife aus. Die Änderungen gelten folglich für neue Verträge ab dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Statistik und für bestehende Verträge ab der nächsten Hauptfälligkeit. In der Regel ist dies der 1. Januar. Genauso wie man aufgrund einer neuen Einstufung höhere Tarife zahlen kann, kann man von einer niedrigeren selbstverständlich auch profitieren. Im Vogtlandkreis oder in Stuttgart ansässige Fahrzeughalter können sich beispielsweise über etwaige Vergünstigungen freuen, ebenso Bewohner in 66 weiteren Bezirken. Insgesamt 5,5 Millionen Autofahrer zahlen laut der im vergangenen August veröffentlichten GDV-Statistik künftig weniger für ihre Kfz-Versicherungen. Auf der interaktiven Karte der GDV  können Sie nachsehen, in welche Regionalklasse Ihr Bezirk für 2018 eingeteilt wurde.